Rohstoffe aus der Natur - Produkte und KnowHow von uns. Sachsenleinen

Ölleinfaser - preisgünstiger Naturfaserrohstoff für etablierte und neue Märkte

 

Die Innovation

Eine gekoppelte Nutzung als Samen- und Faserlieferant erhöht die Wirtschaftskraft von Öllein zu anderen Feldfrüchten.

Bisher verbleibt das faserhaltige Ölleinstroh nach dem Drusch vorwiegend auf dem Feld. Jedoch ergibt sich mit einer Nutzung grundsätzlich die Möglichkeit, neben den etablierten Faserpflanzen Hanf und Faserlein eine weitere interessante Ressource zur industriellen Fasernutzung zu erschließen.
Für die Ernte von Öllein kann durch die Nutzung des Mähdreschers auf kostenintensive Spezialtechnik verzichtet werden.
In den vergangenen Jahren sind in Deutschland erste Versuche unternommen worden, Ölleinstroh sowohl mit herkömmlicher als auch neuartiger Faseraufschlusstechnik zu verarbeiten.
Wir passen vorhandene Verfahren den regionalen und technologischen Gegenebheiten an, damit Ölleinfaserrohstoff unter weitgehender Verwendung landwirtschaftlicher Standardmaschinen wirtschaftlich und in industriefähiger Qualität produziert werden kann. Dabei werden verschiedene Ansätze verfolgt:

  • Ölleinfaser: Gewinnung einer Ölleinwergfaser bzw. einer vliesfähigen Faser mit vergleichbaren Qualitätseigenschaften wie bei Flachswerg und Flachsstapelfaser
    Vorteil: bestehende Märkte für Flachsfasern können problemarm bedient werden

    Nachteil: hoher Aufwand durch Installation stationärer Aufschlusstechnik
  • Faser-Schäben-Gemisch: Mechanische Trennung von Faser und Schäbe auf dem Feld mit Verpressen zu Ballen ohne Separierung in die Fraktionen
    Vorteil: hochwirtschaftliches Verfahren unter Verwendung landwirtschaftlicher Standardtechnik
    Nachteil: keine bestehenden Märkte, Entwicklung neuer Absatzmärkte und Verarbeitungstechnologien notwendig
  • Ganzpflanzenverarbeitung: unter technologischer Anpassung des Technoflachsverfahrens
    Vorteil: weitere Kostenersparnis durch Verwendung des derzeit nicht genutzten und aufbereitetetn Ölleinstrohs
    Nachteil: Weiterentwicklung des Technoflachsverfahrens notwendig

 

Der Hintergrund

Die Leinpflanze wurde qualitätsbedingt ab Ende des 19. Jh. beginnend in zwei Richtungen gezüchtet:

  • zur Gewinnung von Qualitätsfasern für die textile Verarbeitung
  • zur Produktion von Qualitätssamen für die Ölherstellung

Beim Öllein verlor die züchterische Bearbeitung von Faserfeinheit, Fasergehalt und Faserfestigkeit zugunsten des Samenertrags und Ölgehalts an Bedeutung. Mit der zunehmenden Verwendung von Flachsfasern in Vliesstoffen stellt sich die Bewertung der benötigten  Faserqualitäten und damit der Bereitstellungsverfahren neu. Heute hat der überwiegende Teil der in der Vliesstoffindustrie eingesetzten Flachsfasern seinen Ursprung in der textilen Flachsfaserproduktion, wo anfallendes Flachswerg zu Vliesstofffasern veredelt wird.
Während die Marktverhältnisse der vergangenen Jahrzehnte die wirtschaftliche Nutzung des Koppelproduktes Werg aus der textilen Faserproduktion ermöglichte, ist für die Zukunft ein zunehmendes Ungleichgewicht an textilen und nichttextilen Fasern zu erwarten.
Europäische Textilflachsfasern werden vorrangig in der chinesischen und indischen Textilindustrie verarbeitet, einem Markt, der sich in seiner Entwicklung nur schwer prognostizieren lässt.
Als Alternative steht für die Vliesstoffindustrie der Öllein, dessen Fasern den Qualitätsanforderungen der Vliesstoffindustrie entsprechen kann.
In weiten Teilen Deutschlands weist Öllein derzeit im Vergleich zu den Standardfruchtarten bei relativ schwachem Ertragspotenzial von 1,6 - 1,8 t Leinsaat pro Hektar (Vergleich Raps: 3,5 - 4,5 t/ha) nur eine geringe Konkurrenzkraft auf. Dementsprechend sind die Anbauflächen in Deutschland mit durchschnittlich 4.000 ha pro Jahr gering. Interessant kann Öllein aber auf benachteiligten Ackerstandorten wie leichten Sandböden oder in Mittelgebirgslagen sein.